SG Empor Possendorf e.V. News EmporHerr Wagner, die Frostwelle rollt über Deutschland, doch für Sonnabend haben Sie eigentlich ein Testspiel geplant. Bekommt ihr Team kältefrei - oder gehört zum Abstiegskampf eine gewisse Leidensbereitschaft dazu?Die Kälte ist sicherlich ein Thema. Trotzdem trainieren wir ja auch unter diesen Bedingungen. Es ist aber wichtig, sich darauf ein zu stellen, als darüber zu lamentieren. Was zählt, ist der 03. März in Großenhain. Da müssen wir nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf fit sein, denn dort beginnt der Abstiegskampf für uns. Deswegen ist jedes Training und jedes Spiel wichtig. Ich hoffe, dass wir am Samstag das Freundschaftsspiel und auch alle weiteren Spiele bestreiten können. Sie sind wichtig für uns.Die letzten fünf Spiele im alten Jahr haben Sie verloren, darunter alle drei Derbys. Wie frustriert ist ihr Team in die Winterpause gegangen?Von Frustration möchte ich nicht sprechen. Frustriert ist man ja nur dann, wenn man die Gründe nicht kennt. Ich hab die Halbserie ziemlich intensiv analysiert und denke, die Gründe zu kennen. Eine Antwort darauf sind drei Neuzugänge im Winter, denn die Niederlagenserie begann, als uns wichtige Spieler wegen Verletzungen fehlten und wir immer wieder umstellen mussten. Die anderen Antworten werden durch das Training gegeben, denn Fehler sind gemacht worden, die wir abstellen müssen, um weiter Bezirksliga spielen zu können. Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir von den Derbys nur gegen Freital ein sehr schlechtes Spiel gemacht haben. Das war ein Rückfall in Urzeiten dieser Mannschaft. An dem Tag hätten wir noch bis in die Nacht spielen können, ohne auch nur einmal gefährlich vor das Freitaler Tor zu kommen. Bei den anderen Spielen hatte ich gerade mal 11 Spieler zusammen. Das da nicht alles rund laufen kann, ist normal. Für die jeweilige Situation konnte ich mit dem Spiel zufrieden sein, auch wenn es verloren ging. Doch es gleicht sich vieles aus über die Saison. Wir müssen nur dran bleiben. Und das werden wir. Wie motivieren Sie ihre Spieler derzeit? Kommen die Kicker mit Spaß zum Training?Ich bin nun im vierten Jahr wieder bei Possendorf und mittlerweile haben wir eine richtig ein geschworene Truppe zusammen. Da knallt es auch mal, doch die Jungs wissen, dass es nur gemeinsam geht und jeder wirklich alles für die Truppe geben muß. Klar, es gelingt nicht jedem immer. Aber ich denke, ich kann es gut einschätzen, ob einer nicht will oder nicht kann. Also muß ich keinen motivieren. Vor 14 Tagen hatte ich ein Gespräch mit Dieter Baumann (Olympiasieger Leichtathletik). Er sagte, dass es fatal wäre, müsste man einen Sportler motivieren. Und er hat recht. Die Jungs kommen nach wie vor freiwillig nach teilweise anstrengenden Arbeitstagen zum Training und ich muß sie nicht dazu überreden. Bei einem mittlerweile 20-Mann-Kader sind zum Training 12-18 Spieler da. Dies beantwortet ihre Frage sicherlich am genauesten.In Ihrem Kader stehen viele junge Spieler. Fehlt dem Team die Erfahrung, um in knappen Spielen wie zuletzt beim 0:1 gegen Hainsberg das Glück auch mal zu erzwingen?Erfahrung ist sicherlich zu wenig in der Truppe. Doch wir haben uns dafür entschieden mit dem wenig erfahrenen Kader das Abenteuer Bezirksliga zu spielen und stellen uns nun nicht hin, um darüber zu jammern. Wir hatten doch auch gegen Hainsberg die Chance zum 1:0. Wer weiß, wie das Spiel dann gelaufen wäre. Wir machen nur das Tor nicht. Also müssen wir darüber sprechen, was der Spieler oder die Mitspieler anderes hätten machen können bzw. müssen in den Situationen. Vielleicht erinnern sie sich im nächsten Spiel daran und machen dann das Tor aus ähnlicher Situation. Das ist anstrengend- klar- aber das ist nun mal mein (Neben)Job. Wenn es dann geklappt hat, freue ich mich auch mal (lach).Der Verein setzt weiter auf Nachwuchs. Justus Rasenberger aus der B-Jugend darf jetzt bei den Männern mittrainieren (laut Empor-Homepage). Sie betonen, die Nachwuchs-Integration sei Kern der Possendorfer Fußball-Philosophie. Würde man dafür auch mögliche Rückschläge, wie etwa einen Abstieg, in Kauf nehmen?Ich bin der Meinung, dass ein Verein einfach eine Philosophie braucht, um auch verstanden und wahrgenommen zu werden. Das war in Possendorf nicht immer so. Da wurde bissl gebäbbelt und fertig. Als ich damals das erste Mal Trainer in Possendorf war, holten wir uns gute und sehr gute Spieler von außerhalb und freuten uns, dass wir einen sensationellen 3. Platz in der Bezirksliga feierten. Die Folgesaison lief schlecht, ich durfte gehen und mit mir gingen plötzlich 14 Mann. Was war übrig? Nur Ärger. Ich denke, unser jetziger Weg ist der Richtige, wenn er auch steinig und vielleicht nicht von so viel Erfolg in den Anfangsjahren gekrönt sein wird, wie in den Vereinen, wo es anders praktiziert wird. Und wenn wir dafür die jetzige Spielklasse verlieren, dann ist es eben so. Unsere Fans würden es uns wahrscheinlich auch gar nicht übel nehmen, da sie es realistisch einschätzen können. Wir sind kein Profiverein, der sich von Fernsehgeldern usw. über Wasser hält und nur, weil er plötzlich eine Klasse tiefer spielt, in finanzielle Schieflage gerät. Wir sind ein Verein mit über 500 Vereinsmitgliedern und einer prima Anlage und haben es im letzten Jahr geschafft, in die Bezirksliga auf zu steigen. Das zählte damals. Heute zählt, da drin zu bleiben. Und dafür werden wir als Mannschaft alles geben. Wenn wir vom Verletzungspech in der Rückrunde verschont bleiben, werden wir auch nicht absteigen. Da lege ich mich heute einfach mal fest.Kampflos absteigen will natürlich niemand - auch Ihr Klub hat Maßnahmen ergriffen und bisher drei Neuzugänge verkündet. Was erwarten sie von ihnen?Diese drei Neuzugänge sind nicht willkürlich zu uns gestoßen. Marcus Schilder kenne ich noch aus meiner Zeit beim DSC. Stefan Puchta' s Entwicklung verfolge ich seit 2 Jahren. Und mit Andy Aehlig haben wir den Angreifer, der uns von seiner Art her fehlte. Wir hatten letzten Samstag unser erstes Freundschaftsspiel (4:0 gegen Dobritz). Dabei ging es mir nicht vorwiegend ums Ergebnis, sondern gerade die drei Jungs schnell in unser System zu integrieren. Gute Ansätze waren zu erkennen, die jedoch ausbaufähig sind. Aber ich denke, das dies normal ist. Bei Justus Rasenberger sehe ich auch sehr gute Ansätze. Jedoch trainiert er einmal pro Woche bei uns mit. Er spielt zwar noch B-Jugend aber er hat dadurch genügend Zeit, sich an den Männerbereich langsam heran zu spielen, um den Übergang relativ problemlos zu meistern. Für ihn ist jedoch die Schule das Wichtigste und deswegen habe ich die Eltern in die Entscheidung mit einbezogen. Nicht unerwähnt sollte aber bleiben, dass Sven Müller-Pachel im Winter aus privaten Gründen bei uns ausgestiegen ist. Er wird uns sicherlich gerade mit seiner Erfahrung sehr fehlen. Doch es gibt wichtigere Dinge im Leben als Fußball und denen will und soll er sich jetzt widmen. Dafür drücke ich ihm alle Daumen die ich habe.Freut sich die Mannschaft über die Verstärkungen? Oder kann es passieren, dass einige Spieler die Transfers als Misstrauen in ihre eigenen Fähigkeitein verstehen?Ich hole seit 2 Jahren prinzipiell nur Spieler in diese Mannschaft, die nicht nur spielerisch, sondern auch charakterlich reinpassen. Die Mischung muß zusammen passen. Somit hat die Mannschaft gemeinsam ein klares Ziel und reagiert intern, wenn einer mal aus der Reihe tanzen will. Dabei wollen und sollen alle mithelfen. Demzufolge stellt sich nicht die Problematik, ob einer dem anderen den Platz in der Anfangsformation nicht gönnt odermit mir ein Problem hat, weil er mal auf der Bank sitzt. Wenn einer auf der Bank sitzt, muß er eben in den Trainingseinheiten danach besser sein, als der Kumpel, der für ihn gerade spielt. Dann hat auch er eine Chance. Bei mir wissen aber alle, dass sie auch alle wichtig sind, denn in einer Saison kann viel passieren. Deswegen ist Kommunikation sehr wichtig und die Jungs auf der Bank erfahren von mir meist auch, warum sie nicht von Beginn an spielen. Hier habe ich aus meiner ersten Trainertätigkeit bei Possendorf viel gelernt, denn gerade im Bereich Kommunikation gab es damals Probleme zwischen den Spielern und mir, als der Erfolg ausblieb. Das ist heute zum Glück vergessen und wir erzählen uns immer wieder Dinge von damals, wenn ich die Jungs treffe. So holen wir eben die fehlende Kommunikation nach. Nur diesmal beim gemütlichen Bierchen.Possendorf gilt als Team, welches über spielerische Elemente den Erfolg sucht. Was wäre ihnen wichtiger: Die Rückrunde auf einem möglichst guten Rang zu beenden – oder den Zuschauern schönen Fußball geboten zu haben?Am liebsten wäre mir natürlich beides, da ich als Aktiver schon kein Freund von diesem Rumpel- Fußball war und ich mir heut zu Tage solche Spiele auch lieber nicht anschaue. Fakt ist, dass es Spiele geben wird, wo wir gut spielen und verlieren. Ebenso wird es einen Grotten- Kick geben, den wir vielleicht in der Nachspielzeit oder durch ein Eigentor gewinnen. Die Jungs, ich und natürlich alle Verantwortlichen und Fans wollen spätestens nach dem letzten Spiel wissen, dass auch nächste Saison Bezirksliga in Possendorf gespielt wird. Wenn wir richtig sicher sind, das Ziel geschafft zu haben, können wir auch mal Hacke Spitze eins zwei drei für unsere Fans spielen. Aber bis dahin will ich so etwas nicht sehen. Und ich glaube auch unseren Fans sind drei Punkte wichtiger, als alles andere. Ich verlange von den Jungs, dass sie sich an die Vorgaben halten und diszipliniert spielen. Dann werden wir auch wieder den Erfolg haben, den wir zu Beginn der Saison hatten. Wie man jedoch schönen und erfolgreichen Fußball spielt, werden wir uns am 11.02. in München hoffentlich anschauen können. Da fährt die komplette Mannschaft zum Spiel der Bayern gegen Kaiserslautern. An dieser Stelle auch mal ein großes Dankeschön an Mike Brückner, der diesen Ausflug organisiert hat.Das Gespräch führte Stefan BriegerInterview mit Trainer Jens Wagner erschienen in der SZ am 03.02.12